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Härter oder weicher führen?


"Ich bin nicht der Typ, der auf den Tisch haut. Wie werde ich als Führungskraft strenger, ohne mich zu verbiegen?"

Diese Frage brachte neulich ein Geschäftsführer in unsere Unternehmerrunde. Wir tauschten uns anschließend dazu aus.

Schnell war klar, über zu harte oder zu weiche Führung machen sich fast alle Unternehmer Gedanken.


Ich spreche nicht gerne über Härtegrade in der Führung. Ich bin ein Freund von Klarheit und Transparenz. In meinem Team weiß jeder, was ich von ihm erwarte, und ich drücke mich meistens sehr einfach aus. Das ist mein persönlicher Führungsstil: wertschätzend-unmissverständlich.

Ich blicke zurück auf 25 Jahre Führungserfahrung, in denen ich tausende Menschen führen durfte. Das geschah in den unterschiedlichsten kulturellen Umfeldern, in kleinen Firmen, im Mittelstand und im Konzern. Ich führte Menschen unterschiedlichster Herkunft auf der ganzen Welt. Jeder Mensch war einzigartig.

In hatte oft Selbstzweifel und war teilweise mit der Führungsaufgabe überfordert. Heute mache ich viele Dinge anders.

Klar, Führung ist nicht trivial und gehört zu den Dingen, die uns in der Unternehmensführung am schwersten fallen. In meiner Zusammenarbeit mit Unternehmern ist das Thema Führung daher auch sehr oft auf der Agenda.

Wenn ich Unternehmer coache, gehe ich zunächst mit ihnen in die Reflexion. Ich möchte, dass sie sich über den eigenen Führungsstil bewusst werden. Das ist ein erster, wichtiger Schritt.

Ich nutze dafür eine Methode, bei der ich ganz bestimmte Fragen stelle und anschließend gut zuhöre, um das Verhalten genau zu verstehen. Den jeweiligen Stil stelle ich dann auf dem Flipchart dar. (Oder auf dem Miroboard, wenn die Session online stattfindet.)

Interessant dabei ist, jeder Stil ist einzigartig, fast wie ein Fingerabdruck.

Anschließend bewerte ich das erkannte Führungsverhalten aus einem neutralen Blick heraus. So erkennen wir recht schnell Handlungsfelder, die zu einer leichteren Führung führen können.


Arbeiten mit verschiedenen Führungsstilen am Flipchart.

Im oben genannten Beispiel habe ich beim Unternehmer einen harmonischen Führungsstil erkannt.


Was ist harmonische Führung


Die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse der Mitarbeiter führt zu einer gemütlichen, freundschaftlichen Atmosphäre mit entsprechendem Arbeitstempo und Pensum.

Konflikte werden gescheut. Unternehmerische Ziele stehen nicht im Vordergrund. Es wird versucht, auf alle persönlichen Bedürfnisse einzugehen.

Dieser Führungsstil scheint zunächst der einfachste zu sein. Denn ständige Konfrontation mit den Mitarbeitern erfordert eine gewisse Gegenreaktion. Diese wiederum kosten uns in der Führung Energie und Nerven.

Wenn du mich fragst, lohnt es sich unbedingt diese Energie aufzuwenden, denn die Folgen einer zu harmonischen Führung sind fatal.

Eine befriedigende Arbeitsleistung wird auf Dauer nicht zu erreichen sein, da Mitarbeiter langfristig nach Führung verlangen. Es besteht auch die Gefahr eines gewissen Desinteresses an der Unternehmensleistung. Betonung liegt hier auf LEISTUNG.

Eine zu autoritäre Führung ist allerdings auch nicht die Lösung. Denn wenn Leistung lediglich durch Druck erzeugt wird, fällt die Moral ins Bodenlose. Menschen fühlen sich austauschbar und Mitarbeiterzufriedenheit kann so kaum entstehen.


Also was jetzt - hart oder weich?


Niemals würde ich einer Führungskraft empfehlen, härter oder weicher zu führen.

„Du musst mal richtig hart durchgreifen“ ist ein oft gehörter Tipp der Kollegen. Ich verstehe das, da Durchgreifen tatsächlich manchmal angebracht ist. Das kann situativ Sinn ergeben, ultimativ ist es aber nicht.


Wenn ich mich ständig zwischen harter und weicher Führung entscheiden muss, muss ich mich halt ständig zwischen harter und weicher Führung entscheiden.


Wenn ich Unternehmer coache, arbeite ich mit ihnen an der Entwicklung eines situativen Führungsstils.

Bekanntlich muss in der Unternehmensführung ständig abgewägt werden zwischen den Leistungsanforderungen und den Bedürfnissen der Mitarbeiter.

Dabei ist mir wichtig, dass sich der Mensch nicht verstellen muss. Mir liegt nichts daran, anderen Menschen einen Stil aufzudrängen.

Ich weiß, Führung fühlt sich oft schwer an. Doch Führung kann so einfach sein.

Klarheit und Kommunikation ist dabei die wichtigste Maxime.

Erkläre deinen Mitarbeitern, wo du mit der Firma hin möchtest. Beschreibe, was du tust, um das Unternehmen nach vorne zu bringen und formuliere klar und unmissverständlich, was du von deinen Mitarbeitern erwartest.

 
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