Liquidität steigern in der Krise

Aktualisiert: Feb 23




Kürzlich kursierte eine Erhebung des Münchner Ifo Instituts die zeigte, dass etwa die Hälfte der befragten Unternehmen noch länger als 6 Monate überleben könnten, wenn die pandemiebedingten Einschränkungen noch für längere Zeit bleiben würden. Rund 30 Prozent der Unternehmen würden dagegen maximal noch drei Monate überstehen.


Kennst Du Deine Reichweite?


Wirklich? Ich bin der Meinung Unternehmer sollten das wissen. Ich liebe einfache Ansätze und lebe nach dem Motto „keep it simple“. Mein Rat an große und kleine Unternehmen: Baut ein Finanzmanagement und Controlling auf, aber macht es nicht zu kompliziert. Denn wenn es zu aufwendig ist, oder wenn es kaum jemand versteht, werdet Ihr das nicht lange durchhalten. Das Thema ist aber zu wichtig und hat einen zu großen Einfluss auf das komplette Unternehmen.

Man kann damit ganz phantastisch den Wert des Unternehmens steigern.

Also los. Hier die einfache Liquiditätsreichweite. Ich empfehle Unternehmern diese Kennzahl standardmäßig, also nicht nur in Krisenzeiten, zu erheben, um daraus Erkenntnisse und Handlungen abzuleiten. Das sichert das Überleben der Firma und man baut ein solides und wertvolles Unternehmen auf.


Meine Lieblingskennzahl in diesem Zusammenhang ist die Null-Liquiditätsreichweite. Sie zeigt wie lange Dein Unternehmen überleben könnte, wenn ab sofort alle Umsätze ausbleiben (Null Zugänge) dafür aber alle unflexiblen Fixkosten weiterlaufen würden.

Um sie zu messen brauchst Du zwei Werte:

  • Wert A: Schnell verfügbaren Mittel die Dein Unternehmen kurzfristig auftreiben kann, wie zum Beispiel Bankguthaben, Kasse, Kreditrahmen und falls möglich auch privates Vermögen.

  • Wert B: Eine Aufstellung Deiner unflexiblen Fixkosten.

Ich empfehle in diesen Zeiten nicht nur variable und fixe Kosten zu unterscheiden, sondern die fixen nochmal in flexibel und unflexibel zu unterscheiden. Flexible Kosten können innerhalb kurzer Zeit (zum Beispiel innerhalb von 6 Monaten) reduziert oder eliminiert werden. Unflexible Fixkosten sind, wie der Name schon sagt, nicht so einfach zu reduzieren und fallen auch noch an, wenn das Unternehmen zum Stillstand kommt. Zum Beispiel langfristige Leasingverträge, ein Teil der Löhne & Gehälter, Zinsen für Kredite usw.


Daraus errechnet sich dann Deine Null-Liquiditätsreichweite, indem Du Wert A durch Wert B (pro Monat!) teilst. Wenn die verfügbaren Mittel 250.000,- sind und die monatlichen unflexiblen Fixkosten bei 30.000,- liegen, ist die Liquiditätsreichweite 8 Monate.

Ziel sollte es sein, die Reichweite auf 12 Monate zu bekommen, und niemals unter 6 zu fallen. Das ist ein Richtwert, der in der jeweiligen Einzelsituation betrachtet werden muss und abhängig von zum Beispiel der Größe und der Branche ist.


Wie ein einfaches Kostenmanagement aufbauen?


Bitte beachte, dass es sich hier um ein idealtypisches Vorgehen handelt. Es soll dir helfen das Grundprinzip zu verstehen damit du einen leichten Einstieg in das Thema findest. Ganz sicher ist die jeweilige Vorgehensweise abhängig vom jeweiligen Einzelfall.


Ich liebe die Einfachheit und lebe nach dem Motto „keep it simple“ denn gerade beim Thema Finanzen tun sich Unternehmer oft schwer. Dabei sind auch Unternehmensfinanzen recht leicht zu managen. (Steuern mal ausgenommen)

Also los: Unterscheiden wir zunächst die jeweilige Situation, in der sich dein Unternehmen befinden kann:


Gute Zeiten:

Das Unternehmen hat eine gute Auftragslage und realisiert Einnahmen, die über das übliche Grundrauschen hinaus gehen. Salopp gesagt: die fetten Jahre.


Weniger gute Zeiten:

Das Unternehmen befindet sich in schwierigen Zeiten, die „fetten Jahre“ sind vorbei, die zusätzlichen Einnahmen brechen weg und auch das sonst übliche Umsatzvolumen (Grundrauschen) wird nicht mehr komplett realisiert.


Krisenzeiten:

Das Unternehmen befindet sich in der Krise und erleidet erhebliche Umsatzeinbußen.


Was du in den guten Zeiten tun solltest


Ausgerechnet, wenn der Laden brummt denken die wenigsten Unternehmer an schlechte Zeiten. Sie genießen den Erfolg, denn schließlich ist jetzt die Zeit die Früchte zu ernten. Es sei ihnen gegönnt. Denn darum geht es ja schließlich beim Unternehmertum.

Die guten Zeiten sollten jedoch unbedingt dazu genutzt werden, nachhaltige, stabile Strukturen aufzubauen und das Unternehmen langfristig krisenfest zu machen. Denn es wird nicht immer so weiterlaufen. Das steht fest. In den guten Zeiten solltest du daher folgendes tun:


Unflexible Kosten reduzieren

In Teil 1 hast du gelernt fixe Kosten in flexibel und unflexibel zu unterscheiden. Du solltest nun die einzelnen Positionen durchgehen und sie entsprechend aufteilen. Dann kannst du damit arbeiten und dir überlegen wie du möglichst viele Positionen so flexibel wie nötig bekommst. Zum Beispiel kannst du die Laufzeiten von Verträgen reduzieren, oder Ausstiegsklauseln verhandeln. Prüfe auch welche Positionen du unbedingt mit festangestellten Experten besetzen möchtest, und welche Aufgaben externe vergeben werden können. Es gibt da unendlich viele Ansätze. Wenn du erstmal angefangen hast, dich damit zu beschäftigen, fallen dir sicher viele Möglichkeiten auf. Das Ziel ist es deine Fixkosten zu flexibilisieren. Schaue dazu nochmal meinen Beitrag zu diesem Thema an.


Liquiditätsreichweite berechnen und einen Zielwert festlegen.

Berechne wie in Teil 1 gelernt, deine aktuelle Null-Liquiditätsreichweite. Dann lege einen Zielwert für dein Unternehmen fest. (zum Beispiel ein Jahr) Dann kannst du berechnen wie viel Mittel dir fehlen, um die angestrebte Reichweite zu erlangen.


Rücklagen bilden.

Einen Teil deiner Erträge legst du zur Seite, um deine Liquiditätsreichweite aufzubauen. Falls dein Unternehmen noch unter der kritischen Reichweite von 6 Monaten liegt, würde ich dir empfehlen die Mittel zunächst für die Rücklagen zu verwenden. Wenn deine Umsatzsituation das Bilden von Rücklagen nicht zulässt, solltest du deine Kosten prüfen und nach Positionen Ausschau halten, die nicht unbedingt nötig sind oder optimiert werden können. Wie beim privaten Sparen, gilt auch hier: regelmäßig kleine Beträge zurücklegen, ist besser als gar nichts zu tun. So kannst du kontinuierlich und in kleinen Schritten deine Liquidität steigern.


Investieren

Einen weiteren Teil solltest du sinnvoll investieren. Also zum Beispiel in Prozesse, Maschinen oder in Marketing- und Vertriebsmaßnahmen. Es ist wichtig, das richtige Maß zu finden zwischen Investitionen und Rücklagen. Denn beides ist für ein Unternehmen alternativlos. Hier kommt die Risikobewertung ins Spiel. Je höher, wahrscheinlicher und zeitnäher du mögliche Risiken bewertest, desto mehr Mittel sollten in die Rücklagen gehen. Gehst du von geringen Risiken aus, solltest du investieren. Investitionen sind der Sprit für Wachstum. Bitte beachte, dass es auch Sinn machen kann zu investieren um mögliche Risiken zu eliminieren. Aber ich möchte es nicht zu kompliziert machen. Ich denke der Ansatz ist klar.


Was du in weniger guten Zeiten tun solltest

Wenn du deine Finanzen in guten Zeiten entsprechend aufgebaut hast, bist du vorbereitet wenn schwierige Zeiten kommen. Dann kannst du dein Unternehmen sehr flexibel auf die meisten Situationen anpassen und entsprechende Maßnahmen stufenweise abfahren:

Stufe 1: Die Rücklagen stoppen. Stufe 2: Die Investitionen stoppen. Stufe 3: Die flexiblen Kosten reduzieren.




In Krisenzeiten

kommt die Stufe 4: Die flexiblen Kosten komplett zurückfahren.

Wenn das alles noch nicht reicht kannst du in Stufe 5 auf deine Rücklagen zurückgreifen. Somit sicherst du das Überleben deines Unternehmens aus eigner Kraft.





Doch was, wenn du die guten Zeiten nicht nutzen konntest, um dir ein entsprechendes Konstrukt aufzubauen? Dann bleibt wohl nur die bittere Erkenntnis etwas verpasst zu haben. Bittere Erfahrungen waren auch den erfolgreichsten Unternehmern stets ein guter Lehrmeister. Es ist nie zu spät dir ein solides Finanzmanagement aufzubauen.


Es gibt natürlich jede Menge Ansätze um mit einer bestehenden Krisensituation umzugehen. Auch wenn der Karren schon im Dreck ist. Das soll aber heute nicht das Thema sein und dazu gab es in letzter Zeit ausreichend Hilfestellungen im Netz. Wer dazu noch Fragen oder Informationsbedarf hat, kann sich gerne bei mir melden.

Ich hoffe, ich konnte ein paar hilfreiche Ansätze mitgeben.



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